PLAYGROUND LOVE,
Rita Schneeberger, 2026
Diploma Universität für angewandte Kunst, Wien
– realisiert mit SHRINX 4903
Die Arbeit PLAYGROUND LOVE dreht sich um den Entwurf eines Club Chairs. Untersucht wird, wie sich eine Reduktion der Materialität mit dem Erhalt einer eigenständigen Formensprache verbinden lässt und auf welche Weise der klassische Club Chair in einen zeitgenössischen sozialen und ökologischen Kontext überführt werden kann.
Im Gegensatz zu Sitzmöbeln, die Rückzug und Vereinzelung begünstigen – etwa durch das Abwenden vom Raum oder die Konzentration auf individuelle Tätigkeiten wie das Lesen oder die Nutzung digitaler Endgeräte – verfolgt das Projekt PLAYGROUND LOVE einen dialogischen Ansatz. Die entworfenen Sessel sollen Kommunikation fördern, Begegnungen ermöglichen und Aufmerksamkeit im gemeinsamen Raum unterstützen. Playground Love aktualisiert den klassischen Club Chair, indem es dessen traditionelle Produktionsweisen und sozialen Konfigurationen hinterfragt und seine historischen Wurzeln im exklusiven Kontext des Gentlemen’s Club kritisch reflektiert. Damit stellt das Projekt auch die Frage neu, wer Platz nehmen darf und wie Zugang zu Komfort und Präsenz gestaltet wird. Die Sitzhaltung ist bewusst komfortabel, jedoch aufrecht angelegt. Sie vermittelt Bequemlichkeit, unterstützt gleichzeitig aber Präsenz, Blickkontakt und Austausch. Komfort wird hier nicht als passiver Rückzug verstanden, sondern als aktiver Zustand sozialer Teilhabe.
Problemstellung: Circular Design und Materialität
Konventionelle Club Chairs sind aus Sicht des Circular Design in vielerlei Hinsicht problematisch. Große Dimensionen, hohes Gewicht sowie komplexe und kaum trennbare Materialkombinationen führen dazu, dass diese Möbel am Ende ihres Lebenszyklus häufig als monolithische Objekte im Sperrmüll landen. Eine Wiederverwertung oder Weiterverwendung der einzelnen Materialien ist in den meisten Fällen nicht vorgesehen oder technisch kaum umsetzbar. Besonders kritisch ist der verbreitete Einsatz von Schaumstoff. Obwohl er für die Möbelindustrie aufgrund niedriger Kosten und schneller Verarbeitung attraktiv ist, weist er im Vergleich zu anderen verwendeten Materialien eine kurze Lebensdauer auf und ist nur eingeschränkt recycelbar oder anderweitig nutzbar. Der Einsatz von Schaumstoff verstärkt damit die ökologischen Defizite konventioneller Polstermöbel erheblich.
Entwurfsansatz:
Form, Dimension und Materialität des Club Chairs beeinflussen nicht nur individuelle Körperhaltungen, sondern auch soziale Interaktionen sowie den Zugang zu Komfort und Autorität. Das Einnehmen von Raum ist historisch ungleich verteilt; Gestaltung kann diese Ungleichheiten reproduzieren oder bewusst infrage stellen. PLAYGROUND LOVE versteht sich als experimenteller Versuch, einen Sessel zu entwickeln, der vollständig ohne Schaumstoff auskommt und dennoch sowohl visuellen als auch physischen Komfort bietet. Der Entwurfsfokus lag dabei auf dem Erhalt eines Gefühls von Volumen und Großzügigkeit, ohne dieses über Materialfülle oder Massivität zu erzeugen. Stattdessen wird Komfort über Konstruktion, Materialspannung, Raumwirkung und den direkten Körperbezug definiert. PLAYGROUND LOVE reagiert auf diese sozialen und materiellen Spannungen mit einem Club Chair ohne Schaumstoff, der Komfort nicht über Materialmenge, sondern über Konstruktion, Raumwirkung und Beziehung zum Körper definiert. Der Sessel wird als relationales Objekt verstanden, das räumliche Präsenz für unterschiedliche Körper zugänglich macht, ohne Rückzug oder Dominanz zu erzwingen.
PLAYGROUND LOVE zielt darauf ab, ein Sitzmöbel zu schaffen, das sowohl soziale Interaktion als auch ökologische Verantwortung adressiert. Die Arbeit versteht den Sessel nicht als Rückzugsort, sondern als Einladung zur Begegnung. Die zentrale Hoffnung ist die Entwicklung eines Objekts, auf das sich Menschen setzen – und sitzen bleiben.
Die Sitz- und Rückenflächen bestehen aus dem Textil SHRINX 4903 von Krall+Roth.
Nachdem das Material auf den Rahmen gespannt wurde, wird es thermisch geschrumpft, wodurch die erforderliche strukturelle Festigkeit entsteht. Diese Konstruktion verbindet Stabilität mit Flexibilität und ersetzt herkömmliche Polstermaterialien vollständig.
Credits: Universität für angewandte Kunst Wien, Video: © Anna Sophia Rußman und Kilian Immervoll, 2026 licensed under CC BY NC ND 4.0 bzw. im Falle eines Bildausschnittes Universität für angewandte Kunst Wien, Filmstill: © Anna Sophia Rußman und Kilian Immervoll, 2026 licensed under CC BY NC ND 4.0